Einer meiner Lieblingsplätze in Bonn ist eigentlich kein Platz. Hier kann man nicht verweilen, sondern ist fast immer in Bewegung. Trotzdem bin ich sehr gerne dort.

Dieser Platz ist auf der Rheinnixe. Für mich ist die Überfahrt immer wie ein kleiner Urlaub.

Die Rheinnixe wurde 1980 in Betrieb genommen und ist heute die einzige verbliebene Bonner Fähre auf dem Rhein. Sie verkehrt zwischen dem Beuler Rheinufer und Bonn. Parallel zur  Kennedybrücke zieht sie ihre Bahnen etwas weiter stromaufwärts bzw. südlich der Brücke. Die Überfahrt geht recht flott und ist eigentlich völlig unspektakulär. Aber trotzdem, hier ist man mittendrin statt nur dabei. Je nach Wetterlage ist die Überfahrt etwas schauklig, oder eben ruhig und sanft. Je nach Wasserstand muss ich weit zur Fähre hinuntersteigen, oder es geht den Steg steil hinauf. Und wenn man erstmal an Bord ist, dann kann der Blick weit in die Ferne schweifen. Oder eben nur um die Ecke. Dann kann ich dem Kapitän beim Steuern zusehen.

Ein Garant der Regelmäßigkeit

Für mich ist die Fähre eine Institution. Auf der einen Seite ist sie ein Eckpfeiler für Regelmäßigkeit. Sie fährt  jeden Tag (mal abgesehen von erzwungenen Pausen durch extreme Wasserstände), und legt immer an den gleichen beiden Punkten an. Hin und her und hin und her. Passagiere aussteigen, Passagiere einsteigen und los. Passagiere aussteigen, Passagiere einsteigen  und zurück.

Auf der anderen Seite ist aber jede Überfahrt anders. Mal ist das Verkehrsaufkommen auf dem Rhein hoch. Dann muss sich die kleine Fähre zwischen den  langen Reihen an großen Transport- und Containerschiffen hindurchschlängeln. Mal ist die Strömung stark. Dann sucht die Fähre den geschicktesten Weg, um durch das Ausnutzen der Strömungsgeschwindigkeit Energie zu sparen. Mal ist der Wasserstand sehr niedrig. Dann sucht sie den Zugang zur letzten verbleibenden Fahrrinne an den Steg. Kein Tag ist also wie der andere. Damit ist die eigentliche Regelmäßigkeit also jeden Tag ein kleines Abenteuer.

Mein Lieblingsplatz das Oberdeck

Schon oft habe ich mich auf das Oberdeck gesetzt und bin mehrmals hin und her gefahren. Ich bin nach dem Anlegen einfach sitzengeblieben und habe auf die nächste Überfahrt gewartet. Das Oberdeck ist, besonders bei Sonnenschein, mein absoluter Lieblingsplatz. Mir macht es Spaß die Passanten am Rheinufer zu beobachten. Oder die Passagiere die an Bord kommen. Radfahrer, die eine Abkürzung nehmen, Familien mit Kindern, die eine kleine Bootsfahrt machen wolle, ein paar Touristen auf Entdeckungstour oder Rentner, die schon seit Jahren hier übersetzen.

Wenn es dann losgeht, die Sonne scheint und man die Augen schließt, dann ist es fast wie am Meer. Man hört andere Schiffe, Stimmengewirr und sogar die Schrie der Möwen. Ja, Möwen sind am Rhein weit verbreitet, denn genug  zu futtern gibt es alle Male.

Italienische Momente

Und wenn man dann von Beuel aus übersetzt, auf dem Weg zum Brasse Ufer auf der anderen Seite, dann erhebt sich dort ein großer Kirchenkomplex. Das Collegium Albertinum. Es wurde 1892 im neugotischen Stil fertiggestellt und erhebt sich direkt am Rhein auf dem Gelände einer ehemaligen römischen Siedlung. Teile einer römischen Thermenanlage sind dort noch zu sehen.

Das Collegium Albertinum ist das Theologenkonvikt des Erzbistums Köln. Es war in seiner langen Geschichte unzähligen Priesterkandidaten während ihres Studiums Heimat und Studienort, denn dort wohnen die Priesterkandidaten während ihres Studiums. Nicht umsonst würde das Haus früher von den Bonnern  „Kaplönchensfabrik” genannt.

Ein imposanter Bau, der hoch über dem Rheinufer thront. Darauf fährt die Rheinnixe zu. Und in Kombination mit der Allee von Platanen am Rhein,  den geschotterten Wegen und Sonnenschein auf der Haut fühlt man sich fast wie in Italien. Jetzt noch ein Espresso an Deck…….. Das wäre schon zu perfekt.

Weitere Informationen zur Rheinnixe findest Du hier:

https://www.rheinnixe.com/

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